Interview mit Ulrich Langen, Jurist und Prokurist des Versicherungsmaklers AIA

Carla Stadler Interview

ulrich-langen-aiaWas genau ist die AIA und was leistet sie?

 

Die AIA ist seit fast 40 Jahren als Versicherungsmakler spezialisiert. Seit 2002 sind wir eine Tochter der französischen Mutuelle des Architectes Francais Assurances (MAF), ein Versicherer, der in Frankreich ausschließlich Architekten und Ingenieure versichert und dort einen Marktanteil von nahezu 95 % besitzt. Europaweit ist die MAF-Gruppe der größte Anbieter für Berufshaftpflichtversicherungen. In Frankreich, Deutschland, Österreich, Spanien, Belgien und Luxemburg haben wir zusammen ca. 70.000 Kunden. Unsere Zentrale für Deutschland ist in Düsseldorf stationiert. In weiteren deutschen Gebieten haben wir Repräsentanten. Der Ansprechpartner für die bayerischen Architekten ist Herr Horst-Ulrich Meltzer, der sein Büro in Würzburg hat. Schwerpunktmäßig sind wir mit dem Thema Berufshaftpflichtversicherungen beschäftigt.

 
Unsere Tätigkeit beschränkt sich dabei nicht nur auf das Vermitteln von Versicherungen und die Bearbeitung von Schäden; wir sind auch mit den meisten Kammern und Berufsverbänden vernetzt, wirken seit 5 Jahren aktiv beim Deutschen Baugerichtstag mit und unterstützen auch die Politik in Fragen des Bau- und Architektenrechts. So habe ich beispielsweise im Arbeitskreis „Bauvertragsrecht“ mitgearbeitet, der nach3 jähriger Verhandlung seinen Abschlussbericht vorgelegt hat. Dieser ist Grundlage des aktuellen Referentenentwurfs zu einer umfassenden Reform des Bauvertragsrechts geworden.

 

Worum handelt es sich bei der HonorarVerrechnungsStelle?

 

Wir haben im Laufe der Jahre erkannt, dass die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ein komplexes Thema ist. Man könnte sagen, dass es die komplizierteste Honorarordnung ist, die es gibt. Für andere Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater gestaltet sich dieser Bereich weitaus einfacher. Betrachtet man die Rechtsprechung und Fachliteratur, so gibt es keine Gebührenordnung, über die Prozesse in dieser Häufigkeit geführt werden. Wir haben deshalb zusammen mit der Vereinigung freischaffender Architekten (VfA) eine Hilfestellung für Architekten entwickelt und ausgebaut.

 

Seit ca. 5 Jahren ist die HonorarVerrechnungsStelle in diesem Rahmen aktiv. Verrechnungsstellen stammen ursprünglich aus dem Arztbereich. Dort ist es schon lange üblich, dass der Arzt seine Rechnung über eine Verrechnungsstelle laufen lässt. Die HonorarVerrechnungsStelle für Architekten ist jedoch komplexer. Aufgrund dessen bieten wir eine Hilfestellung von Anfang an und unterstützen bereits bei der Vertragsgestaltung. Substantiell ist die Weichenstellung, also einen Vertrag entsprechend aufzubauen, sodass das Resultat ein vernünftiges Honorar ist. Im nächsten Schritt erstellen wir für den Architekten eine prüffähige Rechnung. Ein grundlegendes Thema, da der Bauherr die Zahlung einer Rechnung ablehnen kann, falls diese nicht prüffähig ist.

 

Desweiteren ziehen wir als Inkassounternehmen die Forderungen, die an uns abgetreten werden, ein und rechnen mit dem Kunden ab. Die Gebühren für den Architekten sind sehr günstig, also maximal im Skontobereich (3%). Je nachdem wie hoch der Jahresumsatz ist, werden die Gebühren geringer (bis 0,5%). Hinzu kommt eine Pauschalgebühr von 250 Euro, falls die Forderung bestritten wird. Überdies klagen wir die Forderung ein, falls sie nicht bezahlt wird. Das hat den Vorteil, dass der Architekt als Zeuge aussagen kann. Gerade wenn es um die Vereinbarung zusätzlicher Leistungen oder um mündliche Verträge geht. Durch unsere Kontakte aus der Berufshaftpflichtversicherung arbeiten wir mit Deutschlands führenden Anwälten im Bau- und Architektenrecht zusammen. Dementsprechend ist die höchstmögliche Erfolgsquote gewährleistet.

 

Was ist bei einer Honorarrechtschutzversicherung zu beachten?

 

Insofern die HonorarVerrechnungsstelle in Anspruch genommen wird, sind Gebühren für den Architekten relativ gering. Sobald jedoch ein Prozess geführt wird, kommen Anwalts-, Prozess-, und Sachverständigenkosten hinzu. Diese müssen zusätzlich bezahlt werden. Für diesen Fall gibt es eine Honorarrechtschutzversicherung, die die Kosten der rechtlichen Vertretung übernimmt. Der Beitrag berechnet sich nach der Größe des Büros, ist relativ preiswert und beginnt bei rd. 250 Euro pro Jahr.

 

Die Honorarrechtschutzversicherung muss in der Regel abgeschlossen werden, bevor ein Architektenvertrag zustande kommt. Andernfalls fällt der Vertrag nicht unter den Versicherungsschutz. Falls diese Frist verpasst wurde, gibt es noch die Möglichkeit eine Prozessfinanzierung in Anspruch zu nehmen. Die übernimmt einer unserer Partner, der solche Prozesse finanzieren kann. Zunächst wird geprüft, wie die Erfolgsaussichten stehen. Wenn der Prozessfinanzierer einsteigt, wird sein erhebliches Risiko mit einem Erfolgsanteil von ca. 30-35 % verrechnet.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Ulrich Langen
Prokurist
Kaistrasse 13
40221 Düsseldorf
Tel.: +49 211 49365-26
Ulrich.langen@aia.de

 

Horst Ulrich Meltzer
Berater
Bergstr. 3
97076 Würzburg
Tel.: +49 931 7059731
Horst-ulrich.meltzer@aia.de

 

 

 

Das Interview führte Carla Stadler